BAM-Unterricht
Ausbilden und Mitarbeiter führen will gelernt sein

Ausbilder zeichnet für den Auszubildenen auf die Flipchart die Steinmauer
Wer junge Menschen in einem anerkannten Ausbildungsberuf ausbilden will, muss nachweisen, dass er dafür geeignet ist. Das notwendige berufs- und arbeitspädagogische Wissen für die Ausbildung des Berufsnachwuchses lernen Gärtner, Winzer und Weintechnologen an der Staatlichen Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim im Unterrichtsfach Berufsausbildung und Mitarbeiterführung (BAM).

Lehrplan und Erfahrungen als Grundlage der Wissensvermittlung

Vier Wochenstunden sind in der Stundentafel im ersten Schuljahr für das Fach Berufsausbildung und Mitarbeiterführung (BAM) vorgesehen. Alle Studierenden haben selbst eine Ausbildung durchlaufen und mehr oder weniger gute Erfahrungen mit Ausbilderinnen und Ausbildern gemacht. In den Betrieben, in denen sie vor dem Schulbesuch mindestens ein Jahr lang gearbeitet haben, konnten sie Arbeitskolleginnen und -kollegen bei der Ausbildertätigkeit über die Schulter schauen. Sie haben aber auch erlebt, wie Vorgesetzte ihre Mitarbeiter führen. Diese Beobachtungen und die eigenen Erfahrungen werden in den Unterricht einbezogen und reflektiert. Die Vorgaben im Lehrplan sorgen dafür, dass das notwendige Wissen für den Teil 3 der Meisterprüfung „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“ vermittelt wird.

Die Anforderungen in der Meisterprüfung sind in der entsprechenden Verordnung in sechs Handlungsfeldern beschrieben.

  • Handlungsfeld 1: Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  • Handlungsfeld 2: Ausbildung vorbereiten und Auszubildende einstellen
  • Handlungsfeld 3: Ausbildung durchführen
  • Handlungsfeld 4: Ausbildung abschließen
  • Handlungsfeld 5. Personalbedarf ermitteln, Mitarbeiter auswählen, einstellen und Aufgaben auf diese übertragen
  • Handlungsfeld 6: Mitarbeiter anleiten, führen, fördern und motivieren sowie deren berufliche Weiterbildung unterstützen

Praktische Unterweisungsübung

Im Rahmen des Unterrichts lernen die Studierenden auch verschiedene Unterweisungsmethoden, deren Vor- und Nachteile sowie die Einsatzmöglichkeiten kennen. Während der praktischen Unterweisungs-Übungen können die Studierenden z. B. die Vier-Stufen-Methode, das Lehrgespräch, das Rollenspiel oder einen Methoden-Mix ausprobieren. Ein großer Vorteil unserer Schule ist, dass in den Versuchsbetrieben der LWG ausreichend Flächen, Räume, Materialien, Werkzeuge, Maschinen und sogar Auszubildende zur Verfügung stehen. Das ermöglicht es, zu Übungszwecken eine praxisnahe Ausbildungssituation herzustellen.

Die Meisterprüfung Teil 3

Die Prüfung in Berufsausbildung und Mitarbeiterführung (Teil 3 der Meisterprüfung) besteht wiederum aus drei Abschnitten, nämlich aus einer schriftlichen Prüfung zu Inhalten der Berufsausbildung, einer praktisch durchzuführenden Ausbildungssituation mit anschließendem Fachgespräch und einer Fallstudie aus dem Bereich Mitarbeiterführung, die sich in eine schriftliche Ausarbeitung und ein Fachgespräch gliedert.
Schriftliche Prüfung
Wissen zur Berufsausbildung aus den Handlungsfeldern ein bis vier wird in einer schriftlichen Prüfung von 150 Minuten abgeprüft.
Praktische Ausbildungssituation
Im Rahmen der sogenannten Ausbildungssituation zeigt der / die Studierende, dass er / sie einem Auszubildenden eine praktische Tätigkeit und das dazugehörige Hintergrundwissen so vermitteln kann, dass der Auszubildende diese später fachgerecht ausführen kann. In 45 bis 60 Minuten bringt der angehende Ausbilder einem ihm fremden Auszubildenden zum Beispiel bei, wie er fachgerecht ein Schurgerüst erstellt, Natursteine für einen gepflasterten Weg bearbeitet oder eine Hecke pflanzt. Der Studierende bezieht Vorkenntnisse, Wissen und Erfahrung des Auszubildenden mit in seine Unterweisung ein, lobt Lernfortschritte und kontrolliert am Ende den Lernerfolg. Begleitend leitet er den Auszubildenden an, wie er sich beim Arbeiten vor Gesundheitsschäden oder Verletzungen schützt und auf der Baustelle Unfälle vermeidet. Aber auch Werte wie Sorgfalt, sparsamer Umgang mit Material und Energie vermittelt der angehende Ausbilder seinem Auszubildenden. Im Anschluss an die Ausbildungssituation reflektiert der Studierende im Fachgespräch mit den Prüfern sein Vorgehen während der Unterweisung und überlegt, was er in Zukunft noch besser machen könnte.
Fallstudie Mitarbeiterführung
Was die zukünftigen Führungskräfte darüber wissen, wie sie mit Mitarbeitern am besten umgehen, können die Studierenden bei der Bearbeitung einer Fallstudie zeigen. Dabei wird zuerst eine vorgegebene Situation in einem fiktiven Betrieb analysiert. Dann werden Handlungsoptionen aus der Sicht der Führungskraft entwickelt und begründet. Ihre Gedanken halten die Studierenden während 120 Minuten Prüfungszeit schriftlich fest. In einem Fachgespräch lassen sich die Prüfer später die Überlegungen der Prüfungsteilnehmer erläutern.
Ob ein Meister / eine Meisterin oder ein Techniker / eine Technikerin nach dem erfolgreichen Schulbesuch bzw. nach der erfolgreichen Meisterprüfung ein guter Ausbilder / eine gute Ausbilderin oder eine gute Führungskraft wird, hängt natürlich nicht nur vom Wissen sondern auch von seiner Persönlichkeit ab.