Exkursion der L1b im Mai 2014
Wildbäche und Schlossgärten in Südtirol

Vom 12. bis zum 16. Mai 2014 waren die Stuiderenden im Garten- und Landschaftsbau in Südtirol unterwegs.

Botanischer Garten Innsbruck

Das ca. 2 ha große Areal im Stadtteil Hötting wurde 1911 als Forschungs- und Lehrgarten der Universität Innsbruck eröffnet. Heute gibt es dort weit über 5000 Pflanzenarten aus den verschiedensten Lebensräumen und Klimazonen der Erde. Dies ist nicht leicht, denn klimatisch zählt das Inntal zu den inneralpinen Trockentälern. Der Jahresniederschlag von 860mm wird vor allem durch einen heißen, trockenen Südwind schnell wieder verbraucht.
Für die Führung wurde unsere Klasse in 2 Gruppen unterteilt, Frau Mag. Sabine Sladky-Meraner übernahm die Betreuung im Bereich Heil-, Gift- und Gewürzpflanzen sowie im Duft- und Tastgarten, während Herr Michael Ruech uns durch die Gewächshäuser der Kakteen und Sukkulenten, sowie die tropischen Schauhäuser leitete. Dort gab es zum Beispiel: Agaven, Aloe, Euphorbia, Albizia und Strelitzia. Die Führung im Freiland legte den Schwerpunkt auf die pflanzlichen Inhaltsstoffe, die unter anderem zu Heilzwecken genutzt werden. Dazu wurden uns verschiedene Tees zum Probieren angeboten, die unterschiedliche Pflanzenstoffe erlebbar machen sollten: Bitterstoffe (Schwarzer Tee) und ätherische Öle (Pfefferminze) sowie Schleimstoffe (Malve).

Gewässerrenaturisierung an der Falschauer

Querbauwerk in der Falschauer
Die Führung fand in Lana (zwischen Bozen und Meran) mit Frau Dr. Marion Aschbacher und zwei weiteren Mitarbeitern des Sonderbetriebes für Bodenschutz, Wildbach- und Lawinenverbau statt. Hauptthema war die Schwallverminderung in der Gaulschlucht sowie der Falschauer und die Gewässerrevitalisierung durch Flussverbreiterungen und Biotope.
Wir sind in Lana gestartet und flussaufwärts in die Gaulschlucht gelaufen, wo gezeigt wurde, welche Maßnahmen bisher ergriffen wurden, um den Problemen des Kraftwerkbetriebes entgegenzuwirken. In Zeiten, in denen viel Strom benötigt wird, fallen hier bis zur 10-fachen Wassermenge im Fluss an, bei üblichen Kraftwerken ist es normalerweise nur die 3-fache Menge. Dies führt zur Zerstörung von Flora und Fauna. Der Betreiber des Kraftwerkes stellt als Ausgleich zwar Gelder für Umweltmaßnahmen zur Verfügung.
Aufgrund des geringen Platzes in der Gaulschlucht sowie entlang der Falschauer sind ingenieurbiologische Sicherungsbaumaßnahmen aber oft nicht umsetzbar. Diese nützen auch nichts zur Beseitigung des Schwalls, der bis zu zweimal täglich vorkommt. Bisher wurden vor allem die Querverbauungen durch Sohlrampen ersetzt, wozu Findlinge zur Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit eingebaut werden. Die Rampenbauweise gliedert sich natürlicher in den Fluss ein und bietet neuen Lebensraum. Besonders durch Revitalisierungsmaßnahmen mit Schotterbänken, Verbreiterung des Flussbettes und Fischtreppen wird dies ergänzt. Ein Konflikt besteht dabei aber mit der wirtschaftlichen Nutzung und der naturnahen Freizeitnutzung. So sind alle Baumaßnahmen sehr kostenintensiv, da dazu nur die wenigen Wochen im Jahr ohne Kraftwerksbetrieb genutzt werden können. Aufgrund von Haftungsfragen bei Unfällen durch die Schwallwellen können nur wenige Flussabschnitte freizeitlich genutzt werden (Wasserterrassen mit geregelten Zugangszeiten).

Gartenamt Bozen

Das Gartenamt Bozen betreut ca. 120 ha Fläche, darin beinhaltet sind Schulhöfe, Kindergärten, Radwege und – überraschend – ein Weingut mit zwei Hektar, überwiegend Gewürztraminer.
Die Stadt erledigt ca. 60 % der Arbeiten selbst und vergibt ca. 40 % an andere Firmen. Für diese Firmen steht ein Budget von 450.000 € zu Verfügung. Extern vergeben werden zum großen Teil die Überprüfung der 1200 Bäume, das Rasenmähen sowie das Säubern der Flächen.
Um eine europaweite Ausschreibung zu vermeiden, werden die Arbeiten jährlich neu ausgeschrieben. Die Anzahl der Mähgänge ist von der Nutzung der Flächen abhängig ist. Grundsätzlich werden die Flächen aber gemulcht. Ebenso werden externe Firmen bei Erdarbeiten, Arbeiten mit dem Hubsteiger und bei der Spielplatz-Wartung einmal jährlich hinzugezogen.
Zur Pflege der Anlagen sind 38 Gärtner und Helfer sowie weitere Fachleute für die Verwaltung angestellt. Die Gärtner teilen sich in sieben Truppen auf mit je einem Vorarbeiter. Jeder Gruppe ist wiederum ein bestimmtes Viertel zugeordnet, in dem eigenständig Pflegemaßnahmen durchgeführt werden.
Vor allem an den Spielplätzen wird von den Bürgern oft Kritik ausgeübt. In den Parks sind Erfindungen wie die Hunde- und Katzenzone sehr gefragt bei den Bürgern. Allerdings fallen in den Parks auch oft Vandalismusschäden an.
Für das Straßenbegleitgrün werden viele Baumarten eingesetzt, wie z.B. Lagerstroemia indica (wegen seiner glatten Rinde auch „Affenrutschbaum“ genannt). Nur auf Ulmen und Robinien wird grundsätzlich verzichtet. Des Weiteren wird darauf geachtet, dass keine Arten gepflanzt werden, die feuerbrandgefährdet oder Überträger sind, um den Kulturbetrieb der Apfelplantagen zu schützen. Auf Grund der Erkrankungen mussten schon einige Pflanzen gerodet werden. Die Bäume werden in ein Kies-Erde-Gemisch gepflanzt und sind bis vor zwei Jahren noch mit einer automatischen Bewässerung versehen worden. Hiervon ist man aus Kostengründen abgekommen. Ebenfalls, um Kosten zu sparen, wird der Winterdienst von Jahr zu Jahr eingeschränkt. So werden zum Beispiel nicht mehr alle Radwege geräumt. Um den Fledermäusen und Vögeln Gutes zu tun werden seit einigen Jahren spezielle Nistkästen ausgebracht.

Galanthus-GaLaBau

Am Mittwoch dem 14. Mai standen das Gartencenter und der Garten- und Landschaftsbau Betrieb Galanthus auf dem Programm. Helmuth Mairhofer gründete seine Gärtnerei vor 25 Jahren, seit zehn Jahren beschäftigen sie sich auch intensiv mit der Planung und Gestaltung von Schwimmteichen. Dabei haben sie sich auf naturnahe Teiche mit wenig Technik spezialisiert.
Seine Frau und seine Tochter leiten das Gartencenter, wo sich 15 Mitarbeiter um das 1.600 qm große, parkähnliche Verkaufs- und Schaugelände kümmern. Bekannt ist die Gärtnerei für ihre seltenen Bio-Kräuter- und Bio-Gemüse-Sorten.
Der Landschaftsbau-Betrieb Galanthus hat einen Jahresumsatz von zwei Millionen Euro, der Auftragsradius beschränkt sich auf den südlichen Teil von Südtirol. Dieser Unternehmensteil hat 12 Mitarbeiter und ist Mitglied im Verband Österreichischer Schwimmteichbauer. Dieser zeichnet jedes Jahr in verschiedenen Kategorien die schönsten Teiche aus, wobei Galanthus in den letzten Jahren immer mit einer Teichanlage unter den ersten drei rangierte. Die Besonderheit der Teiche ist, dass der Schwimmbereich mit Holzwänden abgegrenzt wird, was von den Kunden sehr gut angenommen wird. Herrn Mairhofer ist es wichtig, dass seine Mitarbeiter mit Herz und Seele dabei sind, auch deshalb hat er einige Quereinsteiger in seiner Firma eingestellt. Er selber fand auch als Quereinsteiger den Weg in die Branche, nach mehreren Jahren Praxis machte er dann seinen Meister im Garten- und Landschaftsbau in Österreich, da es diese Qualifikationsmöglichkeit damals in Italien nicht gab.

Porphyr-Steinbruch Montiggler

Am Nachmittag besuchten wir den Steinbruch Montiggler Porphyr GmbH zu Eppan, wo wir von Frau Barbara Graus begrüßt wurden. Sie und Hannes Mathà (Bauunternehmer und Sprengmeister) haben den bereits 70 Jahre bestehenden Bruch in 2007 übernommen und renovieren seitdem schrittweise die Strukturen und passen diese den modernen Bedürfnissen an. Allerdings wird das Recht der Bewirtschaftung nur über 5- bzw. 10-jährige Konzessionen vom Staat Italien vergeben. Demzufolge ist es schwierig Projekte abzuwickeln, welche über diese Konzessionszeiten hinaus laufen würden.
Der Rundgang begann mit einer Erläuterung zur Gesteinsentstehung: Porphyr bildet sich, wenn Magma im Erdinneren zunächst langsam erkaltet und anschließend bei einem Vulkanausbruch rasch abkühlt und kristallisiert. Vor 300 Millionen Jahren entstand so die „Bozner Porphyrplatte“.
Wir besichtigten die Abbaustelle und die Orte zur Verarbeitung mit großen Maschinen im Bruch. Für die Gewinnung werden Löcher im Abstand von etwa einem Meter in die Gesteinswand gebohrt, in denen später die Sprengladungen ihren Platz finden. Im Jahr wird zwei bis drei Mal gesprengt, wobei jeweils ca. 2.000 – 3.000 m³ Rhyolith gewonnen werden. Daraus werden Pflaster und Bordsteine gespalten, aber auch Platten, Fensterbänke oder Grabsteine gesägt. Im Bruch werden regelmäßige Qualitätsprüfungen durchgeführt, da in letzter Zeit der Ruf des Porphyrs durch die Herstellung minderer Qualitäten gelitten hat. Dank seiner inneren Härte garantiert der Montiggler Porphyr Frost- und Säurebeständigkeit sowie Abriebfestigkeit.

Schloss Trauttmansdorff

Bei der Führung durch den 12 ha großen Garten wurde uns zunächst die Geschichte des Schlosses und des Gartens nähergebracht. Unser Rundgang führte uns durch einen Teil der 83 verschieden gestalteten Gartenanlagen, die jeweils von einem andern Künstler/Architekten gestaltet worden sind.
Als erstes ging es in den Bambushain, der durch seine Artenvielfalt glänzte. Durch den Rhododendronhain erreichten wir die Sammlung von urzeitlichen Pflanzen, wo mit einer Wollemia nobilis ein besonderes Schmuckstück des Gartens auf uns wartete. Im Japanischen Garten versuchte der Gartenführer uns die traditionelle Gestaltungskunst der Japaner näher zu bringen.
Über die Reisfelder ging es dann in die Hanggärten zu einer Bronzefigur von Sissi, der berühmten Kaiserin von Österreich, die zu Lebzeiten gern durch die Anlage streifte. Vorbei an reich blühenden Beeten stiegen wir hinunter in den Italienischen Gartenteil mit Weinreben und Hecken, in dem natürlich die Orangerie nicht fehlen darf. Bei den Kakteenhäusern endete dann unsere Führung und wir streiften anschließend einige Stunden selbstständig durch die weitläufige Parkanlage. Diese hielt noch viele interessante Stationen für uns bereit. An den Hängen luden Aussichtsplattformen zur Besichtigung ein, in einer Höhle erklärte eine Installation den Lebensraum der Wurzeln unter der Erde und durch die weitläufig angelegten Gartenanlagen konnten wir den zentral gelegenen Koiteich erreichen.

Golfplatz Lana

Durch den Golfclub in Lana führte uns der Geschäftsführer Georg Warger, der mit einer kurzen Vorstellung des Betriebes begann. Die 9-Loch-Anlage des Clubs hat eine Größe von 18 ha wovon 5 bis 6 ha durch konventionellen Obstbau bewirtschaftet werden (abgegeben an Obstbauer aus der Region) und die verbleibenden 12 ha für den Golfbetrieb genutzt werden. Der Umsatz wird zu 60 % durch Touristen und zu 40 % durch Mitglieder des Clubs (ca. 200) erwirtschaftet.
Die Fragen der Studierenden zu Rasenbau und Rasenpflege wurden durch den Geschäftsführer kompetent beantwortet (der allerdings keine praktische Tätigkeiten ausführt, sondern hauptsächlich den Bereich Geschäftsleitung bedient). Er erläuterte beispielsweise den Gesamtaufbau eines Greens, das in Lana in der Regel eine Gesamtdicke von 1,5 m aufweist. Im unteren Bereich befinden sich Dränagen, dann folgen korngrößen-abgestufte Schichten von Steinen bis hoch zur feinkörnigen Vegetationsschicht, diese besteht aus 75 % Sand und ca. 25 % Oberboden. Im Bereich der Rasenpflege wurden die einzelnen Schnitthöhen der verschiedenen Golfplatzzonen und die Anzahl der Schnitte erklärt (Rough unregelmäßig auf 4-7 cm; Fairway ca. 3 mal pro Woche auf 1,2-1,9 cm; Green täglich auf 0,4 cm).

May Garten- und Landschaftsbau

Auf unserer Rückfahrt aus Südtirol besuchten wird das Unternehmen May Landschaftsbau, das 1960 von Volker May in Feldkirchen bei München als Zwei-Mann-Betrieb gegründet worden war. Das Unternehmen war stark an der Erstellung des Olympiaparks 1972, dem Ausbau des Westparks zur IGA 1983 in München und an der Erstellung des Landschaftsparks Riem beteiligt. Auch die BUGA 2005 führte zu einer kontinuierlichen Vergrößerung der Personal- und Maschinenstärke. Die Firma beschäftigt momentan rund 100 Mitarbeiter, darunter 15 Auszubildende, die zum Teil im betriebseigenen Wohnheim untergebracht sind. Für den großen Maschinen- und Fuhrpark, der vor allem auf umfangreiche Erdarbeiten ausgelegt ist, wird eine eigene Werkstatt mit 2 Mechanikern unterhalten.
Die Firma nimmt Aufträge im Umkreis von 20 km an, welche überwiegend von öffentlichen Auftraggebern stammen. Durch den geringen Aktionsradius ist der Betrieb sehr konkurrenzstark, da vergleichbare Mitbewerber weite Anfahrten haben. Die Aufträge werden unter Beachtung der Qualifikationen und Stärken der Mitarbeiter angenommen. 5 Bauleiter kümmern sich um die Auftragsbeschaffung wie auch die Bauleitung der laufenden Baustellen. Für die Vorkalkulation der Aufträge ist der Seniorchef zuständig.
Zur Kommunikation zwischen Chef, Bauleitern und Mitarbeiter dient vor allem das täglich Gespräch vor Arbeitsbeginn, aber auch Telefonate während der Arbeit und Besprechungen nach der Arbeit finden statt. Ebenso wird durch die Bauleitung eine Bauablaufplanung erstellt, welche meist für die folgende Woche ist. Veränderungen im Bauablauf, die Auswirkungen auf die Disposition des Folgetages haben, müssen die Baustellenleiter bis spätestens zwei Stunden vor Schichtende gemeldet haben.Die Magnettafel ist immer noch wichtiges Informationsinstrument für Christoph May – trotz der regelmäßigen Nutzung elektronischer Kommunikationsmittel.
Die Exkursion endete am Abend des 16. Mai mit der Rückkehr nach Veitshöchheim.